Herzensbrecher 1


Guten Morgen ihr Lieben,
kennt ihr das mit der Selbstkritik? Das man manchmal viel zu streng zu sich selbst ist?
Oh, ich bin da ein großes Opfer davon und mach mir mein Leben oft unnötig schwer, weil ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge. So auch wieder bei diesen Fotos, die im Ferdinand Probenähen entstanden sind, das Kind war lustig drauf und wollte nur umherflitzen, die Kamera (wie nun schon öfter geschrieben) hatte einen Knacks und alle Bilder sind leicht unscharf, dazu hatte meine Overlock einen schlechten Tag und im Prinzip lief alles nicht so, wie ich das wollte 😑😂
Und so sitze ich momentan hier und versuche über meinen Schatten zu springen und die Bilder toll zu finden, auch wenn sie nichts besonderes sind. Nein, halt, stopp, eigentlich bin ich ja immer der Meinung braucht es für Fotos keine aufwendigen Fotosets – ein geliebtes Wesen, ein mit Herz genähter Pulli und eine Mütze reichen völlig, warum stehe ich mir da dann so selbst im Weg?
Es ist einfach diese wahnsinnige Flut an Nähwerken die jeden Tag auf einen einprasseln, sei es bei Facebook, bei Instagram, Pinterest, Blogs, im Kindergarten und Co. In den letzten jähren ist der Anspruch an Nähstücken wirklich gestiegen und auch die ganze Ausstattung hat sich verändert. Ich bin kein Applizierer, mag nicht wirklich oft Paneele, plotte nur selten und wenn ich dann nicht 100% zufrieden mit meinen bin, frage ich mich auch, muss das jemand sehen, will das überhaupt jemand sehen?
Aber ich bin eigentlich auch wirklich unwillig dann ein zweites mal Fotos zu machen, weil es ja eigentlich nicht darum geht, wer kann am geilsten Nähen, wer macht die besten Fotos. Man braucht ja heute weiß Gott keinen ******-Vergleich um sich zu messen. Und eigentlich bin ich auch der Meinung sind alle Werke, die mit Liebe gestaltet worden sind, ob vom Anfänger oder vom Profi, vom Perfektionisten der den Pi-Mal-Daumen-Nähern, wichtig und wertvoll <3
Die Reichweiteneinschränkung macht es einem nicht unbedingt leichter, aber ich für meinen Teil habe mich dazu entschieden auch die Bilder zu zeigen, mit denen ich nicht 100% zufrieden bin, weil wir alle nur Menschen sind und auch wenn kleinere oder größere Firmen/ Labels dahinter stecken, so sind wir doch alle Handwerker und nicht die große Industrie die einem lieber Lügen vorgaukelt als etwas Realität zu zeigen 🙂
Hiermit also: Hallo, ich bin Christina und bin ein perfektionistischer Monk, der ab jetzt versucht sich nicht mehr Selbst im Weg zu stehen und Dinge und Situationen einfach anzunehmen 🙈😂
In diesem Sinne, das war mein Wort zum Freitag,
Ich wünsche euch allen einen super Start in das Wochenende,
erzählt doch mal wie es euch geht wenn ihr nicht so ganz zufrieden seid <3
 
Schnitte:
Pulli: www.rosarosa.eu/ferdinand
Mütze: www.rosarosa.eu/kitt
Hose: www.rosarosa.eu/jinx
 
Stoffe sind von Albstoffe; Plott von Paul & Clara
PS: Oh wow, da war ich gerade mal Nähen und habe mir jetzt eure ganzen Kommentarebei Facebook durchgelesen. Was bin ich beruhigt, dass es euch auch so geht! Ich hab mir ja in den letzten Wochen ein bisschen eine Auszeit genommen und nichts wirklich neues gepostet, nur Sachen die ich sowieso schon auf dem PC hatte und auch die nicht wirklich regelmäßig. Ich bin manchmal einfach übersättigt und auch irgendwie erschlagen, als ich angefangen habe zu Nähen war eine Stickmaschine das non plus ultra wenn man das hatte. Inzwischen muss man schon anbauen oder sich externe Büros suchen (wenn man das hauptberuflich macht) um irgendwie alles unterzubekommen was man halt so braucht – von der Profi Fotoausstattung, über die perfekt durchgestylte Wohnung, die immer jauchzenden Kids wenn man ruft – yay Fotosession, perfekte Ergebnisse, tolle Texte, am besten noch Video-Equipment für professionelle Videos und einfach das komplette durchleuchten des Lebens. Aber ganz ehrlich, wo fängt man an und wo hört man auf. Ich kann nicht mit 31 aussehen wie mit 20, total durchtrainiert und durchgestylt, nebenbei eine perfekt harmonische Ehe führen, meine Kinder super erziehen und für sie Freund und Berater gleichzeitig sein, dazu einen Haushalt der Schöner Wohnen gleich zu haben, noch Selfies und Bider von meinem Essen posten, Zeit für Hobbys haben, niemals klagen, immer glücklich und zufrieden sein und oben drauf, als i-tüpfelchen meines Lebens noch in liebevoller Kleinarbeit stundenlang aufwändige Sets für meine Kinder nähen, die super duper zu fotografieren und mega euphorisch all das posten. Klar, das ist jetzt alles etwas überspitzt dargestellt, aber im Prinzip ist das ja heute das Hauptanforderungsprofil einer nähenden Frau/ Mutter in Social Media Zeiten. Bitte keine Schwachstellen, bitte keine Fehler. Und nein, deswegen werde ich trotzdem keine Bilder mit Wäschebergen im Hintergrund posten, weil das einfach nicht meiner persönlichen Ästhetik entspricht und ich dann einfach lieber nichts poste. Aber in einem gewissen Maß sollten wir alle unsere Ansprüche zurückschrauben, sonst läuft man dem Glück immer nur hinterher und genießt nie den Augenblick, weil es ja immer ein bisschen besser sein könnte. Und ganz ehrlich, jetzt schaue ich mir die Bilder an und freue mich über meinen kleinen Mann und den schönen Pulli und sehe den kaum vorhandenen Fokus der Kamera kaum noch, weil es einfach auch nicht darum geht und es ist mir gerade auch egal, dass die Bilder vor der Haustüre entstanden sind und nicht in einer coolen, urbanen Umgebung, weil er den Pulli einfach an dem tag anhatte und ich mein Kleinkind nicht 3 mal hintereinander für ein Foto umziehen kann, weil wir sonst nur heutige und bockige Fotos hätten! Deswegen ist das jetzt so und es ist gut so. Und demnächst gibts sicher auch wieder durchgestylte Bilder, oder einfach nur Liegefotos, weil dann halte einfach so ist 😀 So, noch ein kleiner Roman von mir, jetzt geh ich wieder an die Maschinen 😀 Ich hoffe ihr versteht mich, ist etwas wirr geworden 😀
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Ein Gedanke zu “Herzensbrecher

  • Julia

    Du hast so recht, genauso sehe ich das auch! Ich bin zwar noch nicht so lange in der Szene hier mit dabei, aber man ist schnell versucht, bei dem Tempo und den Ansprüchen mithalten zu wollen. Aber das geht nun mal nicht und ich will das auch nicht, da vergeht einem ja so schnell die Lust am Nähen! Ich finde deine Fotos inklusive deinen selbstgenähten Sachen jedenfalls stets perfekt und liebe sie, da sie eben nicht so gestellt, sondern einfach natürlich sind!

    Alles Liebe,

    Julia